70 Jahre Expositurkirche St. Michael

70 Jahre KDFB Oberwildenau

„Tragende Säulen“ auch in Zukunft wichtig

Oberwildenau (rgl). Gleich zwei Jubiläen gab es am vergangenen Sonntag in Oberwildenau zu feiern: Den 70. Weihetag der Expositurkirche St. Michael und das 70jährige Bestehen des Katholischen Frauenbundes Oberwildenau.

Bei großer Hitze formierte sich der lange Kirchenzug um 13.45 Uhr am Rathaus und zog dann, angeführt von der Blaskapelle, zum festlich geschmückten Gotteshaus.

Dort begrüßte Pfarrer Arnold Pirner alle Mitfeiernden, besonders den Festprediger, Regionaldekan Direktor Manfred Strigl aus Johannisthal, Pater Slawomir, den letzten Expositus von Oberwildenau, 1. Bürgermeister Sebastian Hartl, 3. Bürgermeister Johann Kick und Mitglieder des Marktrates, die Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen aus Luhe, Neudorf und Oberwildenau, sowie den Jubelverein KDFB Oberwildenau und alle Vereine, die mit ihren Fahnen anwesend waren.

Pfarrer Pirner ging zu Beginn auf die Geschichte der Kirche St. Michael und der Expositur ein, die am 30. Januar 1952 als ausgelagerte, selbständige Seelsorgsstelle errichtet wurde. Bis dahin war Oberwildenau eine Filiale der Pfarrei Luhe. Erster Expositus wurde der Luher Kaplan Markus Jakob.

Dem damaligen Regensburger Erzbischof Michael Buchberger war es ein Anliegen, dass jeder Ort mit einer Schule auch eine Kirche haben sollte. So wurde in Oberwildenau ein Kirchenbauverein gegründet; der Beitrag betrug 50 Pfennig. 1950 legten schließlich Pfarrer Josef Stadler aus Luhe und Bürgermeister Michael Schmidt aus Oberwildenau feierlich den Grundstein zur Kirche, deren Bau bereits zwei Jahre später vollendet war. Am 22. Juni 1952 wurde das neu errichtete Gotteshaus bei einem großartigen Fest von Erzbischof Buchberger feierlich konsekriert.

Die Reliquien, die im Altar eingelassen sind, wurden damals in einer langen Prozession, an der 2000 Gläubige aus der ganzen Umgebung teilnahmen, von der Schlosskapelle in Unterwildenau in die neue Kirche St. Michael übertragen.

„Nun – die Zahlen haben sich mittlerweile geändert“ – so Pfarrer Pirner – „aber dennoch gibt es hier in Oberwildenau auch heute noch eine lebendige Gemeinde, die diese Kirche als ihre Heimat liebt und mit Leben erfüllt. Deshalb können wir heute mit Dankbarkeit und großer Freude den 70. Weihetages unseres schönen Gotteshauses feiern. Doch es gibt noch ein weiteres Jubiläum: Der KDFB Oberwildenau wurde bereits vor der Einweihung der neuen Kirche im Jahr 1952 gegründet und feiert heute sein 70jähriges Bestehen. Die Gemeinschaft der Frauen im KDFB gehörte von Anfang an zu den tragenden Säulen der Expositur, und das ist bis heute so. Wir haben also doppelten Grund zu feiern. Dabei denken wir heute auch an alle Verstorbenen, die viele Opfer zum Wohl der Kirche gebracht haben, an die verstorbenen Seelsorger der Expositur, an alle, die sich in den vergangenen 7 Jahrzehnten für die Kirche und den Frauenbund in Oberwildenau engagiert haben und an alle Verstorbenen der Gemeinde, denen unsere Kirche St. Michael Zuflucht war in den Höhen und Tiefen ihres Lebens. Möge Gott uns heute mit Freude und Zuversicht erfüllen und uns Kraft schenken, an seiner Kirche auch in Zukunft weiterzubauen!“

Der Kirchenchor Oberwildenau unter der Leitung von Larissa Burgardt gestaltete den Gottesdienst beeindruckend mit feierlichen Gesängen.

Regionaldekan Manfred Strigl stellte in seiner Predigt fest, dass ein Pfarrer mit 70 Jahren kurz vor dem Ruhestand stehen würde. Ganz anders aber sei das bei der Kirche im gleichen Alter. Es sei zwar schwierig, nach der Pandemie und den aktuellen Krisen die Menschen für den Glauben und den KDFB zu begeistern, aber es werde keinesfalls der Ruhestand eingeläutet.

Vielmehr gehe der Blick bei diesem Jubiläum dankbar zurück und zuversichtlich nach vorne.

Die Expositurkirche St. Michael sei eine typische „Buchberg-Halle“. Sie habe keine Säulen aus Stein wie Kirchen aus der Zeit der Romanik oder Gotik. Entscheidend seien aber die lebendigen und tragenden Säulen der Gläubigen, die auch heute und in Zukunft das Gemeindeleben mittragen und integrierend wirken wie auch der KDFB. Sein Dank galt neben dem Frauenbund den Ministranten, dem Kirchenchor, den kirchlichen Gremien, Vereinen und Verbänden, die die Gemeinde prägen und mitgestalten. Die lebendigen Steine und Säulen der Kirche sollten sich immer wieder neu stärken mit dem Wort Gottes, in den Sakramenten und durch die Gemeinschaft, denn sie müssten in der heutigen Situation noch stärker sein als früher. Der heilige Erzengel Michael als Kirchenpatron und die heilige Elisabeth als Patronin des KDFB regten dazu an zu fragen: „Wer ist Gott für mich“ und tätige Nächstenliebe zu üben.

Die Expositurkirche sei nach der Einweihung mehrmals umgebaut, renoviert und den liturgischen Vorschriften des II. Vatikanums angepasst worden. Auch heute sei viel von Reformen die Rede; manches müsse in eine neue Form gebracht werden, aber nicht nur von außen und in den Strukturen, sondern vor allem von innen heraus. Es komme darauf an, stets neu im Geist Gottes zu handeln und in Liebe zu dienen. Für die Zukunft wünschte Direktor Strigl Kraft, Ausdauer, Mut, Energie und das Wirken des Heiligen Geistes für all diese Aufgaben.

Zuletzt rief er der Festgemeinde auf Oberpfälzisch zu: „Halts meiner Lebtag zsamm! Habts an guadn Glaam! Und seids weiterhin zach! Amen!“

 

Besonders beeindruckend gestaltet waren die Fürbitten, bei denen verschiedene Symbole der Kirche und der Gemeindelebens zum Altar gebracht wurden. Daran waren Mitglieder der Kirchenverwaltung, des Pfarrgemeinderates, Kommunionkinder, Ministranten, Chormitglieder, der KDFB und Kommunionhelfer beteiligt.

 

Am Ende des Gottesdienstes wurden noch kurze Grußworte gesprochen. Den Anfang machte Kirchenpfleger Hans Häusler. Er erinnerte daran, dass es für die Gemeinde vor 70 Jahren etwas ganz Wunderbares gewesen sein musste, eine eigene Kirche im Ort zu haben. Er dankte für alle Mühe, Ausdauer und Beharrlichkeit. Die Kirche habe sich durch Renovierungen immer wieder verändert; alle Generationen hätten dazu ihren Beitrag geleistet.

Bürgermeister Sebastian Hartl gratulierte zum 70jährigen Weihetag und zum Jubiläum des KDFB. Eine Gemeinde ohne Kirche sei für ihn schwer vorstellbar. Der Bau sei nur möglich geworden, weil es Menschen gab, die Ideen hatten und mit anpackten. Sein Dank galt allen, die für die Kirche eintreten und sich engagieren.

Karin Meiler sprach als Vertreterin des Vorstandsteams und erinnerte an die Gründung des KDFB Oberwildenau durch Baronin Elsa von Hirschberg aus Unterwildenau im Jahr 1952. Ihr Dank galt den 43 Gründungsmitgliedern und allen Vorsitzenden, die sich in all den Jahren für die Belange des KDFB eingesetzt haben. Durch stetiges Wachsen der Mitgliederzahl konnte vieles geschaffen und durchgeführt werden. Für die Zukunft wünschte sie, dass der KDFB eine aktive Gemeinschaft bleiben möge und noch viele Jubiläen feiern könne.

KDFB Bezirksvorsitzende Margit Konze gratulierte zum Jubiläum und stellte ihr Grußwort unter das Leitwort „Eine Mitte haben, um die sich alles dreht, und eine Gemeinschaft, die alles zusammenhält“. 70 Jahre KDFB bedeuteten 70 Jahre gelebten Glauben, gelebte Gemeinschaft, Aufgeschlossenheit, tätige Nächstenliebe und Einsatz zum Wohl er Allgemeinheit.

Die Frauen hätten sich in Gesellschaft, Politik und Kirche eingebracht. Ihrem oft couragierten Eintreten sei es zu verdanken, dass sich die Rolle und vor allem die Rechte der Frau zum Positiven entwickelt haben.

Ihr Dank galt allen Verantwortlichen der Vereinsgeschichte und der aktuellen Vorstandschaft sowie allen Mitgliedern. Margit Konze wünschte mit dem Rückenwind von 70 Jahren Geschichte eine gute Weiterentwicklung unter Gottes Segen.

PGR-Sprecher Albert Baumann lud schließlich alle Festgäste zur weltlichen Feier im Pfarrheimgarten ein.

Nach dem Segen und dem feierlichen „Großer Gott, wir loben dich“ marschierten die Mitfeiernden im Festzug zum Pfarrheim, wo Pfarrgemeinderat, Kirchenverwaltung, der KDFB und die Ministranten die vielen Gäste mit kühlen Getränken, Kaffee, Kuchen und Brotzeiten bewirteten. Die Blaskapelle Oberwildenau unter der Leitung von Bernhard Meiler spielte zünftig auf, so dass trotz der großen Hitze die Bänke bis zum Abend gut gefüllt blieben.

Siegmund Frischholz fertigte zum Jubiläum eine Chronik mit vielen interessanten Bildern vom Bau und der Einweihung der Expositurkirche an, die auf mehreren Plakaten auch noch in den nächsten Wochen in der Kirche zu sehen sind.